Onlinekontakt will in einen privaten Chat wechseln: Wie Eltern ihr Kind begleiten

Ein Junge betrachtet an der Gartentür sein Smartphone und ein tragbares Spielgerät.

Digitale Kindheit · Onlinekontakte

Onlinekontakt will in einen privaten Chat wechseln: Wie Eltern ihr Kind begleiten

Dein Kind spielt online mit jemandem und soll in einen privaten Chat wechseln. Dann kommt die Einladung: „Lass uns woanders weiterschreiben.“ Bevor dein Kind den Kontakt hinzufügt, haltet kurz inne. Klärt gemeinsam, wer hinter dem Profil steckt, welche persönlichen Angaben im neuen Chat sichtbar werden und wie dein Kind Hilfe erreicht. Aus der Einladung allein lässt sich die Absicht der Person nicht sicher erkennen.

Ein schneller Wechsel auf privatere Kanäle gehört allerdings zu den Warnsignalen, die klicksafe bei Cybergrooming beschreibt. Deshalb verdient dieser Moment eure Aufmerksamkeit. Hintergrund bei klicksafe.

Der erste Satz darf deinem Kind das Erzählen erleichtern

Dein Kind zeigt dir die Nachricht zwischen Abendessen und Hausaufgaben. Du bist erschrocken und möchtest sofort wissen, mit wem es da überhaupt spielt.

Der erste Satz

„Danke, dass du mir das zeigst. Wir schauen uns zusammen an, wohin du eingeladen wirst.“

Danach reicht zunächst eine Frage: „Was möchtest du mit dieser Person dort machen?“ Lass dein Kind antworten. Es möchte die nächste Spielrunde verabreden. Oder es hat das Gefühl, die Einladung annehmen zu müssen. Diese beiden Ausgangspunkte brauchen unterschiedliche Gespräche.

Eine mögliche Vereinbarung lautet: „Neue Kontakte außerhalb des Spiels schauen wir uns vorher gemeinsam an.“ Formuliere sie so, dass dein Kind weiß, was es konkret tun soll: Nachricht zeigen, noch nichts freigeben, gemeinsam entscheiden.

Was verändert sich beim Wechsel in einen privaten Chat?

Schaut euch den angebotenen Dienst gemeinsam an. Bleibt es bei einem Nutzernamen oder wird eine Telefonnummer benötigt? Welche Profilangaben sieht der neue Kontakt? Wer darf Nachrichten schicken? Wo findet ihr die Funktionen zum Melden und Blockieren?

Die Antworten hängen vom Dienst und euren Einstellungen ab. Geht deshalb die konkrete App durch, statt von einer bekannten Oberfläche auf dieselben Schutzmöglichkeiten zu schließen.

Auch eure Alltagssituation kann sich verändern. Ein Kontakt, der bisher nur während einer Spielrunde auftauchte, kann nun über einen weiteren Kanal erreichbar sein. Besprecht, ob ihr das überhaupt möchtet. Eine Einladung ist keine Verpflichtung, einen neuen Zugang zum eigenen Alltag zu öffnen.

„Wir spielen doch schon lange zusammen“

Dieser Satz kann für dein Kind bedeuten: Ich kenne die Person. Frage nach, was „kennen“ hier heißt. Kennt ihr euch persönlich? Oder kennt dein Kind den Nutzernamen, die Stimme und die gemeinsame Spielgeschichte?

Ihr müsst aus dieser Frage kein Verhör machen. Sortiert gemeinsam: Was habt ihr selbst erlebt, und was hat die Person über sich erzählt? Ein vertrauter Spielkontakt ist nicht automatisch eine bestätigte Identität.

Die Polizeiliche Kriminalprävention erklärt, dass Erwachsene beim Cybergrooming unter anderem falsche Identitäten und vorgetäuschte Gemeinsamkeiten nutzen. Auch freundlich wirkender Kontakt verdient deshalb Aufmerksamkeit, wenn Grenzen verschoben werden. Informationen der Polizei.

Wann aus einer Einladung Druck wird

Achte auf den Umgang mit einem Zögern oder Nein. Wird die Entscheidung akzeptiert? Oder kommen wiederholt Forderungen, Schuldgefühle oder die Bitte, den Kontakt vor Erwachsenen geheim zu halten?

Geschenke, verlangte Bilder, sexuelle Fragen und der schnelle Wechsel in privatere Chats sind Warnsignale. Dein Kind soll solche Situationen nicht allein beurteilen müssen. Unterstütze es dabei, den Kontakt zu unterbrechen und Hilfe zu holen. Warnzeichen und Handlungsmöglichkeiten bei klicksafe.

„Du musst niemandem ein Bild schicken, weil du etwas bekommen hast. Du darfst mir die Nachricht zeigen, auch wenn du schon geantwortet hast.“

Vermeide dabei eine lange Liste von Fragen direkt hintereinander. Ein verständlicher nächster Schritt hilft euch mehr: das Gerät zusammen ansehen, den Kontakt zunächst ruhen lassen und klären, welche Unterstützung nötig ist.

Vereinbart Hilfe, bevor sie dringend gebraucht wird

„Sag mir Bescheid“ wird konkreter, wenn ihr den Ablauf einmal durchspielt. Wo findet dein Kind dich? Was macht es, wenn du gerade nicht ans Telefon gehst? Welche zweite vertraute erwachsene Person ist ansprechbar?

Ein Gesprächsvorschlag: „Wenn dir eine Nachricht komisch vorkommt, brauchst du sie nicht erst fertig zu beantworten. Komm zu mir. Wenn ich nicht da bin, wendest du dich an die Person, die wir zusammen ausgesucht haben.“

Haltet den Kontakt so fest, dass dein Kind ihn tatsächlich findet. Fragt die ausgewählte Person vorher, ob sie diese Rolle übernehmen möchte. Bei jüngeren Kindern könnt ihr den Weg gemeinsam üben: Kontakt öffnen, anrufen, in einem Satz sagen, dass Hilfe gebraucht wird.

Eine Mutter und ein Junge legen am Tisch gemeinsam einen erreichbaren Hilfeweg fest.
Ein vereinbarter Hilfeweg gehört zur digitalen Begleitung.

Wenn bereits Drohungen oder sexuelle Forderungen auftauchen

Gib deinem Kind zuerst Rückhalt. Es soll weder weitere Bilder schicken noch auf Forderungen eingehen. Übernimm die nächsten Schritte mit ihm und hol fachliche Unterstützung. Versuche nicht, den Kontakt selbst durch weitere Gespräche zu überführen.

Notiere vorhandene Profilnamen, Plattform und Zeitpunkte. Bei sexualisierten Darstellungen von Kindern gilt: nicht weiterleiten oder zusätzlich herunterladen; kläre mit der Polizei, wie mit dem vorhandenen Material umzugehen ist. Die Polizei erläutert auf ihrer Informationsseite das Vorgehen bei einem Verdacht. Hinweise der Polizeilichen Kriminalprävention.

Digitale Begleitung im Alltag aufbauen

Bei euch ist gerade nichts Akutes passiert. Du merkst aber, dass mit dem Smartphone immer neue Fragen entstehen: Was vereinbaren wir vorher? Was sehen wir uns gemeinsam an? Wie bleibt mein Kind mit seinen Erlebnissen ansprechbar?

Die Audioreihe „Smartphone sicher begleiten“ richtet sich an Eltern, die diese Begleitung bewusst gestalten möchten. Sie umfasst zwölf Audioimpulse sowie Handbuch, Familienpaket, Technik-Check und Notfallkarte.

Auf der Angebotsseite kannst du prüfen, ob Umfang und Ansatz zu euch passen.

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